Wenn aus Abfall Wärme wird
Wenn Sie am Thermostat drehen, wird es kurze Zeit später warm. So weit, so alltäglich. Aber woher kommt eigentlich die Wärme, die in Ihre Wohnung strömt? In vielen GWG-Siedlungen lautet die Antwort: aus einem Wärmenetz. Was sich hinter diesem Begriff verbirgt, erklären wir hier.
Wenn Sie am Thermostat drehen, wird es kurze Zeit später warm. So weit, so alltäglich. Aber woher kommt eigentlich die Wärme, die in Ihre Wohnung strömt? In vielen GWG-Siedlungen lautet die Antwort: aus einem Wärmenetz. Was sich hinter diesem Begriff verbirgt, erklären wir hier.
Aus Abfall und Holz aus dem Stadtwald wird Wäre
In Winterthur gibt es zwei Arten von Wärmenetzen. Bei der Fernwärme kommt die Wärme aus der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) in der Grüze. Die bei der Abfallverbrennung entstehende Hitze wird genutzt, um Wasser zu erwärmen. Sechs GWG-Siedlungen sind an dieses Netz angeschlossen, alle im Raum Mattenbach. Dort, wo die Fernwärmeleitungen nicht hinreichen, gibt es oft kleinere Quartierverbunde. Hier wird das Wasser durch das Verbrennen von Holzschnitzeln erwärmt. Diese stammen grösstenteils aus nahegelegenen Wäldern. Neun GWG-Siedlungen beziehen ihre Wärme aus solchen Quartierverbünden: fünf in Winterthur, vier in Ossingen, Turbenthal und Elsau.
Ob eine Siedlung an der KVA-Fernwärme oder an einem Quartierverbund angeschlossen ist, hängt von der Lage ab. Im unmittelbaren Umfeld der KVA werden die Häuser an das Fernwärmenetz angeschlossen, weiter entfernte Liegenschaften an einen Quartierverbund. Die Grundidee bleibt aber dieselbe: Wärme wird zentral erzeugt und per Leitung ins Haus gebracht. Dass diese Art von Wärme nicht komplett erneuerbar ist, weil neben Kunststoffabfall auch Heizöl und Erdgas verbrannt werden, ist sich die GWG bewusst. Die Wärmenetze sind dennoch eine gute Sache.

Hausieren für den Ausbau des Netzes
Stadtwerk Winterthur baut die Wärmenetze stetig aus und verbindet die Fernwärme- und Quartiernetze schrittweise miteinander. Wo die Stadt Wärmeleitungen baut, hängt auch von der Nachfrage ab. Die GWG steht deshalb im engen Kontakt mit Stadtwerk Winterthur und macht sich dafür stark, dass bisher noch nicht erschlossene Liegenschaften an das Fernwärmenetz angehängt werden können. «Ich klopfe regelmässig bei Stadtwerk an und signalisiere: Wenn ihr die Fernwärme zu unseren Liegenschaften bringt, hängen wir an», sagt Pino Venturini. Und tatsächlich: Für sechs bisher mit Gas oder Öl beheizte GWG-Liegenschaften liegen bereits konkrete Pläne für einen Anschluss ans Netz vor. Mit der geplanten zweiten Verbrennungslinie in der Kehrichtverwertungsanlage kommen zudem energetische, ökologische und technische Verbesserungen ins Fernwärmenetz. Die Abwärme kann bei gleicher Abfallmenge noch besser genutzt und die Wärmeleistung um 30 Prozent gesteigert werden. Die KVA könnte so künftig einen Drittel des Winterthurer Wärmebedarfs decken statt wie heute einen Fünftel.
Und wo kein Wärmenetz hinkommt?
Die Winterthurer Wärmenetze haben dazu beigetragen, dass es die GWG geschafft hat, den Anteil ihrer fossil beheizten Wohnungen auf 23 Prozent zu senken. Zum Vergleich: In der Schweiz werden aktuell noch etwa zwei Drittel aller Gebäude mit Öl oder Gas beheizt. Bis 2031 will die GWG ganz von klimaschädlichen Öl- und Gasheizungen wegkommen. Wo der Anschluss an ein Wärmenetz nicht möglich ist, werden andere Lösungen gesucht. Ob mit Holzpellets, Erdsonden- oder Luft-Wasser-Wärmepumpen: «Für jede Liegenschaft muss auf Grund der Lage, der Grösse, des baulichen Zustands und der vorhandenen Wärmeabgabe in den Wohnungen eine individuelle Lösung gesucht werden. Manchmal prüfen wir fünf verschiedene Heizsysteme, bis wir eine passgenaue Lösung gefunden haben. In einer Liegenschaft wurde beispielsweise sogar die Erstellung eines Eisspeichers und einer Grundwasser-Wärmepumpe evaluiert», sagt Pino Venturini. Das sei aufwendig, lohne sich aber. «Nachhaltigkeit gibt es eben nicht zum Nulltarif.» Immer mehr GWG-Siedlungen profitieren also von erneuerbarer Wärme. Und was bedeutet das für Sie als Bewohner:in? Beim Aufdrehen des Thermostats ändert sich nichts. Ausser, dass die Wärme immer nachhaltiger wird.
So heizt die GWG
Fernwärme KVA-Abwärme:
6 Siedlungen (Raum Mattenbach)
Fernwärme Holzschnitzel:
9 Siedlungen (Winterthur, Ossingen,
Turbenthal, Elsau)
Holzpellets:
8 Siedlungen (Winterthur, Kollbrunn)
Erdsonden-Wärmepumpe:
6 Siedlungen (Elsau, Winterthur)
Luft-Wasser-Wärmepumpe:
2 Siedlungen (Henggart, Winterthur)
Gas/Öl:
12 Siedlungen (Umstellung geplant)
77% der GWG-Wohnungen werden erneuerbar
oder mit KVA-Abwärme beheizt.
Ziel: 90% bis Ende 2027, 100% bis ca.
2031.